Nachhaltiges Weihnachten

Hallo!
Dieser Artikel sollte mein nächster für das Onlinemagazin Compassioner werden, es wäre der 15. gewesen. Leider ist der Compassioner zum 31.10. eingestellt worden. Sehr schade! Aber ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, über einen monatlichen Artikel viele Menschen mit nachhaltigen Anregungen zu erreichen und zu inspirieren. So teile ich den Artikel nun hier in der Hoffnung, dass er auch so viele Menschen erreicht.
Herzliche Grüße,
Martin

Weihnachten, eine gute Gelegenheit für mehr Nachhaltigkeit
Ja ist denn schon wieder Weihnachten? Noch nicht, aber bald. Und daher ist es jetzt eine gute Gelegenheit, sich ein paar Gedanken für nachhaltigere Weihnachten zu machen.

Die Süßigkeiten
Sie sind sicher nicht das wichtigste, aber sie dürfen hier mal den Anfang machen, da wir seit vielen Wochen kaum an ihnen vorbeikommen. Egal ob konventioneller Supermarkt oder Biomarkt, ein schier unerschöpfliches Angebot wartet auf uns. Zum Glück schaffe ich es, seit ein paar Jahren, dem lange zu widerstehen. Leider sind dann die Lieblinge zum Beginn der Adventszeit schon vergriffen. Naja, immerhin spart das dann den Verpackungsmüll.

Soziale Verantwortung
Eine wichtige Zutat für das leckere Naschwerk ist Kakao. Leider ist Kakao alles andere als eine regionale Zutat. Der Löwenanteil der in Deutschlang importierten Kakaobohnen kommt aus Ghana und der Elfenbeinküste. Das weitaus größere Problem ist aber, dass sowohl beim Anbau als auch der Ernte die Kinderarbeit ein großes Thema ist. Unser Luxus auf Kosten der Kinder? Das ist natürlich das ganze Jahr über mehr als bedenklich. Aber besonders an Weihnachten ist der Kontrast zu den leuchtenden Augen unserer Kinder besonders gut.
Neben der Kinderarbeit ist der Einsatz von Pestiziden ebenfalls ein wichtiges Thema. Hier wird nicht nur die Umwelt belastet, sondern auch die Arbeiter inklusive der Kinder. Mehr zum Thema erfährst du bei der Kampagne „Make Chocolate Fair“. (https://de.makechocolatefair.org/die-kampagne)
Im Übrigen sieht es bei Kaffee und Tee sehr ähnlich aus.

Müssen wir jetzt auf Schokolade verzichten?
Ein klares Nein. Denn damit wäre diese wichtige Einnahmequelle für die Anbaugebiete weg. Und für uns eine kleine Glücksquelle. Wir sollten aber darauf achten, was wir kaufen. So sollten Schokolade und Produkte, die Schokolade oder Kakao enthalten, nach Fairtrade oder UTZ/Rainforest Alliance zertifiziert sein. Das garantiert Mindestlöhne und in der Regel auch einen nachhaltigeren Anbau. Wer in Sachen Umweltaspekt auf Nummer sicher gehen will, sollte Bio-Ware kaufen.
Wer es noch nachhaltiger will, greift zu veganen Schokoladen-Produkten. Auch die können verführerisch lecker sein. Und auch Palmöl oder -fett sollte nicht enthalten sein, dann ist das weihnachtliche Naschen auch kein Problem für die Orang-Utans und die anderen gefährdeten Tiere auf Borneo und Sumatra.


Der Weihnachtsbaum
Nachhaltigkeit und der Weihnachtsbaum, das passt meistens nicht sonderlich gut zusammen. In den meisten Fällen ist der Baum ein Single-Use Produkt, also ein Einmalartikel. Klingt nicht weihnachtlich stimmungsvoll. Bedenkt man, dass in Deutschland jedes Jahr über 30 Millionen abgeholzte Nadelbäume zum Einsatz kommen, kann man sich gleich denken, dass das schwerlich nachhaltig sein kann. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Bäume nicht zwingend aus Deutschland kommen und hier auch Dünger und Pestizide zum Einsatz kommen.
Also ein Bio-Baum?
Ein Bio-Baum oder zumindest einer mit FSC-Zertifizierung kommt mit einer deutlich geringeren Schadstoffbelastung daher. Ist dann auch besser für das Raumklima im Wohnzimmer. Aber ein Einmalprodukt ist es dann immer noch.
Eine gute Alternative zeigt der Artikel von The Bird’s New Nest auf: den Baum im Topf zum Mieten. (hier findest du den Artikel: https://thebirdsnewnest.com/lebender-weihnachtsbaum-mit-liefer-und-abholservice/). Wenn das für dich eine Alternative ist, müsstest du dich aber bald darum kümmern.
Eine andere Möglichkeit ist, einen Baum im Topf zu kaufen und nach Weihnachten im Garten einzupflanzen. Wenn alles gut geht, kann er so auch mehrere Jahre genutzt werden. Die meisten Nadelbäume sind allerdings Tiefwurzler, so dass es dem Baum, je größer er wird, vermutlich irgendwann schaden wird. Ebenfalls schwierig ist es, den Baum von den warmen Temperaturen im Wohnzimmer an die kalten Wintertemperaturen draußen zu gewöhnen. Das muss langsam geschehen. Ein direktes Einpflanzen ins Freiland, besonders bei richtig kaltem Wetter, wird der Baum vermutlich nicht überstehen.
Wer keinen Garten oder ein entsprechendes Grundstück hat, kann den Baum ja vielleicht auch im nahegelegenen Wald spenden. Dazu sollte aber unbedingt vorab die Erlaubnis des Försters eingeholt werden.
Eine weitere Möglichkeit ist natürlich auch der immer wieder verwendbare künstliche Weihnachtsbaum. Mir persönlich gefällt das allerdings gar nicht. Da finde ich die abstrakten Weihnachtsbäume aus Holz deutlich besser. Frei dekorierbar und jedes Jahr wieder zu verwenden.

Das Festessen
Wenn Weihnachten ist, dann isst man. Und das in vielen Familien nicht zu knapp. Leider bleiben bei Festessen oft Reste über. Wenn man am nächsten Tag woanders eingeladen ist, sind diese Reste dann oft tatsächlich über und landen im Müll. Natürlich ist die Verschwendung von Lebensmitteln das ganze Jahr über ein großes Problem. Zum Einen gibt es den ethischen Aspekt, zum Anderen den der Umwelteinflüsse. Die Lebensmittelverschwendung verbraucht Ressourcen, die dringend anderweitig gebraucht werden. Dazu ein paar Zahlen auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (https://www.zugutfuerdietonne.de/warum-werfen-wir-lebensmittel-weg/welche-folgen-hat-das/). Es gibt aber auch einen massiven Einfluss auf den Klimawandel. Dazu gibt es sehr anschauliche Vergleich auf einer Seite der Welthungerhilfe (https://www.welthungerhilfe.de/lebensmittelverschwendung/lebensmittelverschwendung-und-klimawandel/).
Was hilft? Gute Planung und natürlich wie immer regional und saisonal. Vegetarisch und vegan sind ebenfalls von großem Vorteil. Aber es ist eben auch Weihnachten. Aus meiner Sicht muss man da nicht zu streng zu sich selbst sein. Und das geht auch sehr gut, ohne etwas wegzuschmeißen.
Dem nachweihnachtlichen Schock auf der Waage kann man übrigens auch mit guter Essensplanung vorbeugen.


Die Geschenke einpacken
Was ist ein nachhaltiges Geschenk? Gar nicht so einfach. Am einfachsten ist es vermutlich, für eine nachhaltige Verpackung zu sorgen. Geschenkpapier aus Recyclingpapier ist die einfachste Lösung. Buntes Glitzerpapier oder Folien sind das Gegenteil davon. Am besten finde ich persönlich weihnachtliche Kartons oder Geschenktaschen ans Papier oder Stoff, die man jedes Jahr wiederverwenden kann. Wenn es doch glitzern soll: wie wäre es mit einer auf links gedrehten und abgewaschenen Chips-Tüte. Upcycling kann so einfach sein.
Noch einfacher ist es, Geschenke in Zeitungspapier einzupacken. Das finde ich aber gerade an Weihnachten nicht sonderlich stimmungsvoll.

Die nachhaltigen Geschenke
Jedes Jahr werden an Weihnachten viele Dinge verschenkt, die kein Mensch, oder zumindest der Beschenkte, nicht braucht. Also wird umgetauscht oder im schlimmsten Fall einfach weggeschmissen. Produziert wurde es aber schon und wertvolle Ressourcen sind verschwendet. Das erscheint unbedeutend und harmlos, bedenkt man aber die weltweiten Mengen ist es genau das nicht. Und oft handelt es sich im Dinge, deren Herstellung alles andere als nachhaltig war. Das kann im Textilbereich genauso sein wie bei Spielzeug. Vor allem elektronisches Spielzeug wird oft mit billigsten Materialien hergestellt und für die elektronischen Bauteile haben nicht selten Kinder in Minen gearbeitet. Und wir schenken es dann unseren Kindern. Nicht nur, aber gerade zum Fest der Liebe, sollte das nicht sein. Daher nur schenken, was der andere mag oder gebrauchen kann. Und es sollte möglichst unter sozial und ökologisch nachhaltigen Bedingungen produziert worden sein.

Wenn es doch mal nicht gefällt?
Umtauschen ist eine Möglichkeit. Aber die Nachrichten über Ware, die nach der Rücknahme von Onlinehandlern vernichtet wird, regt nicht gerade dazu an. Warum also nicht mal sehen, ob sich jemand anderes für das interessiert, was du nicht brauchen kannst? Tauschbörsen sind dafür die ideale Gelegenheit. In diesem Artikel von Utopia findest du dazu einige Informationen: https://utopia.de/bestenlisten/tauschboersen-online-tauschen/

Silvester
Zu guter Letzt noch etwas zum letzten Tag des Jahres. Der ist zwar tatsächlich noch lange hin, aber ich will ihn hier trotzdem schon erwähnen, speziell den Brauch, das neue Jahr um Mitternacht mit Silvesterböllern und Raketen zu begrüßen. Ich selbst mache das seit ein paar Jahren nicht mehr. Denn neben Lärm und Müll hinterlassen sie auch extrem viel Feinstaub in der Luft. 17% der im Jahr durch Straßenverkehr erzeugten Menge Feinstaub werden in wenigen Stunden um den Jahreswechsel in die Luft gejagt. Eine irre Menge! Dazu stört die Geräuschkulisse viele Haus- und auch Wildtiere. Außerdem verpulvert man im wahrsten Sinne des Wortes unglaublich viel Geld, das anderweitig deutlich sinnvoller eingesetzt werden kann.

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