Borneo-Sabah – Orang-Utans und eine Überraschung

Borneo, wir kommen!

Genauer gesagt geht es in den Bundesstaat Sabah, auch „das Land unter dem Wind“ genannt.

Dieser Reisebericht bringt euch hoffentlich die wunderschöne Insel Borneo näher, er soll aber auch auf die Umweltprobleme und die Lage der dort lebenden Tiere aufmerksam machen. Und er soll diejenigen von euch ermutigen, die vielleicht auch so wie meine Frau Alex mit einer eingeschränkten Mobilität zurecht kommen müssen. Man muss sich dadurch das Erobern paradiesischer Flecken Erde nicht nehmen lassen.

Die Reise beginnt mit der Fahrt nach Frankfurt, wo wir in Mörfelden im NH-Hotel einchecken und wo auch das Auto die 2 Wochen auf uns warten wird. Übernachtung mit Frühstück für 2 Personen mit Parken und Flughafentransfer für 134€, das verdient eine lobende Erwähnung, besonders weil das Hotel nicht nur guten Service und ein tolles Frühstücksbuffet bietet, sondern sich bei diesem auch noch sehr um Müllvermeidung bemüht.

Die Reise haben wir komplett vom Abheben in Frankfurt bis zur Landung am selben Ort 15 Tage später über bibi tours gebucht, nachdem wir uns Anfang des Jahres auf der Messe in Stuttgart erkundigt hatten und uns dort am Besten aufgehoben fühlten. Ist quasi Neuland für uns, eine völlig durchgeplante Reise zu buchen. Aber wir wollten eben sicher sein, dass alles für Alex machbar ist und auch beim Umsteigen auf den Flughäfen der Rollstuhl-Service organisiert ist. 

Am nächsten Morgen sitzen wir in einer Boing 777-300ER der Emirates von Frankfurt nach Dubai und freuen uns auf Borneo.

Puh, rund 25 Stunden nach Verlassen des Hotels in Frankfurt kommen wir an unserer ersten Station auf Borneo an – dem Sepilok Nature Resort.

Die Flüge waren gut, wenn auch der von Dubai nach Kuala Lumpur für Alex zu wackelig war und sie daher nicht richtig schlafen konnte. Die Transfers mit dem Rollstuhl-Service waren bestens organisiert, so dass die nicht so üppigen Umsteigezeiten doch völlig ausreichend waren.

Am Sepilok Nature Resort steht am ersten Tag nichts an, außer das Ankommen zu genießen, was einem bei der schönen Location, die direkt an den Regenwald grenzt, gleich sehr gut gelingt. Das satte Grün der Bäume, die Palmen, dazu die Geräusch-kulisse der Vögel und Zikaden – herrlich! Am frühen Abend taucht dann ein besonderer Gast auf der Restaurant-Terrasse auf: Michelle, ein circa 15 Jahre alter Orang-Utan Teenager. Sie kommt wohl seit ein paar Tagen regelmäßig, schleicht sich von der nahen Auswilderungsstation herüber. So haben wir schon einen ersten faszinierenden Eindruck von unseren nahen Verwandten bekommen.

 

 

27.09. – unser erster richtiger Urlaubstag wartet gleich mit viel Programm auf. Um kurz vor 9 werden wir abgeholt und es geht zum Sepilok Orang-Utan Rehabilitation Centre, das direkt nebenan ist. Neben der Aufzuchtstation für die Kleinen sehen wir auch die Fütterung in der Auswilderungsstation, wo die Orang-Utans zwar schon wild leben, aber immer noch zum Fressen wieder dorthin zurückkommen können. Es gab aber auch eine Mutter mit Baby, die komplett wild lebt, also nie in der Station war, aber die freie Mahlzeit trotzdem genießt. Eine tolle Einrichtung, diese Station. Mittlerweile bietet sie auch ein paar verwaisten Elefanten eine Heimat. Es sind Bornean Pygmy Elefanten.

Von dort geht es auf die andere Straßenseite zum Bornean Sun Bear Conservation Centre. Die Sun Bears auf Borneo sind in der Wildnis kaum zu entdecken, da sie sehr selten sind. 
Interessant ist, dass sie deutlich kleiner sind als die Artgenossen, die es in anderen Teilen Asiens gibt. Gleiches gilt für die Elefanten.

 

 

 

Nach dem Mittagessen in einem Hotel geht es zum Wasser, wo wir mit Booten abgeholt werden, um in einer circa 2 stündigen Fahrt auf dem Fluss Sungai Kinabatangan zur Sukau Rainforest Lodge zu fahren. Die Lodge wird in der Liste der „National Geographic Unique Lodges in the world“ geführt und ist ein Traum. Vorne der Fluß mit einer tollen Steg-Terrasse, hinten der Regenwald.

Auf dem Weg zur Lodge sehen wir schon die Proboscis-Monkeys, also die Nasenaffen. Viele weitere Tiere sehen wir dann bei unserer ersten Bootssafari von 17:00 – 18:00 Uhr, zum Beispiel den Bornean Colugo oder Malaien-Gleitflieger. Dazu spannende Vögel, unter anderem die Kingfisher, also Eisvögel. Aber auch wieder Nasenaffen und Langschwanzmakaken.

 

Nach dem Abendessen machen wir noch die Nightcruise mit und werden mit einer Eule, einem Lizzard, einer asiatischen Palmzibetkatze und einigen Mehr belohnt.

  

Was für ein toller und spannender Tag. Aber auch sehr ermüdend. So gehen bei uns kurz nach 10 die Lichter aus, zumal es um 6 schon wieder zur ersten Erkundungsfahrt losgeht. 

28.09. – um 5:30 Uhr sind wir für einen Kaffee und Toast am Restaurant, um 6 legen wir ab zur Morgensafari. Zusätzlich zu den Tieren, die wir gestern schon gesehen haben, kommen Hornbills, also Nashornvögel, Reiher und ein Adler dazu. Und jede Menge Regenwald-Feeling – zum Glück ohne Regen. Den hatten wir gestern dafür schon zwei Mal.

 

Um 8 sind wir für das richtige und recht üppige Frühstück zurück. Anschließend geht es hinter dem Hotel auf einem Steg auf einen kleinen Rundweg von rund 500 Metern durch den Regenwald. Dachten wir, denn unser Guide Eryanto wollte uns etwas mehr bieten und wir sind zusätzlich 2-300 Meter auf einem Pfad durch den Wald gegangen. Leider war es sehr matschig, so dass es für Alex eine große Herausforderung war, da sie schließlich mit Krücke unterwegs war. Eine Frau, die diese Bürde nicht hat, hat sich fast langgemacht. Auf jeden Fall war es sehr spannend und wir sahen einen Kleinkantschil, die kleinste Hirschart der Welt, die vielleicht so groß ist wie eine Hauskatze. Dazu noch mal einen Colugo.

Nach dem Mittagessen machen wir erstmal Siesta mit einem wohlverdienten Nickerchen, damit wir bereit sind für die Nachmittags-Safari. Die wird es in sich haben, aber das hoffen wir zu dem Zeitpunkt erst, tatsächlich stellt sich aber heraus, dass unsere Wünsche ans Universum erhört wurden.

Zunächst mal sehen wir wieder viele der uns schon bekannten Tiere, aber die Nasenaffen dieses Mal besonders gut, speziell auch ein Männchen mit einem besonders schön ausgeprägten Zinken. Dazu ein junges Krokodil und einen Nistkasten für Nashorn-Vögel, aufgehängt von Borneo Eco Tours, die Gesellschaft, die zum Hotel gehört und unsere Reise organisiert hat. Wir fahren noch in einen Seitenarm des Kinabatangan und sehen Makaken, die sich Palmöl-Früchte von den niedrig hängenden Zweigen aus dem Wasser ziehen. So können wir Ihnen sehr nahe sein – ein beeindruckendes Schauspiel.

 

Als wir dann schon auf dem Rückweg zur Lodge sind trauen wir unseren Ohren kaum, als Eryanto sagt, was er im Baum sieht – Orang-Utans, the „Man of the Forest“. Unser sehnlichster Wunsch, sie in freier Wildbahn zu sehen, hat sich erfüllt. Ein emotionaler und wunderschöner Moment, die Gruppe der Waldmenschen hoch über uns im Baum zu sehen. Dazu auch ein Nest, vielleicht das für die Nacht? Orang-Utans sind die einzigen Primaten, die Nester bauen. Und das auch noch mehrmals am Tag. Bei Regen decken sie sich sogar mit Palmwedeln zu.

Nach diesem Erlebnis kehren wir glücklich, aber auch erschöpft, zur Lodge zurück, wo es dann schon bald Abendessen gibt. Und danach ein Bier, bevor es wieder früh ins Bett geht, da wir am nächsten Morgen wieder um 6 auf dem Boot sein werden.

29.09. – die Morning-Cruise führt uns heute in einen Seitenarm des Kinabatangan, wo dann sehr bald auf langsame Fahrt mit dem Elektromotor umgestellt wird. So lässt sich die Geräuschkulisse des Regenwaldes noch besser genießen. Neben Nasenaffen sehen wir wieder einen Orang-Utan, ein schwangeres Weibchen, die hoch oben im Baum rumhangelt. Ähnlich wie beim Menschen dauert die Schwangerschaft 8-9 Monate. Außerdem haben wir einen Silver-Leaf Monkey, einen Storkbill-Kingfisher (Storchschnabelliest, der größte Eisvogel auf Borneo) und einige weitere Vögel gesehen.

Nach dem Frühstück unterhalten wir uns mit Eryanto über seine Arbeit und sein Engagement für die Umwelt, auch über seine Meinung zu den Problemen auf Borneo. Er hatte schon am ersten Tag auf der Nachmittags-Fahrt über die Probleme der „Globalisierung“ auf Borneo gesprochen. So wuchern die aus Südamerika stammenden Wasserhyazinthen und Wasser-Cabbage sehr stark im System der Flüsse und Seen von Sabah. So ist ein See dadurch schon ausgetrocknet.

Er erzählt uns, dass in Sukau eine Brücke über den Fluss gebaut werden soll, was nachhaltige Veränderungen für die Tiere, aber wohl auch für das soziale Gefüge der Einheimischen. Er hat ein Video gedreht, das Tiere zeigt, die durch die Brücke gefährdet würden, unter anderem die gefährdeten Elefanten. Er hat es vielen gezeigt, damit sie sich auch gegen die Brücke engagieren. Momentan ist der Bau gestoppt, allerdings eher, weil sich der bekannte britische Tierfilmer und Naturforscher Sir David Attenborough gegen den Bau ausgesprochen hat, was die Regierung wohl mehr beeindruckt hat. Trotzdem ist Eryantos Engagement toll und sehr wichtig!

Ansonsten ist das größte Problem der Anbau von Palmöl und Gummibäumen. Letzteres sieht er besonders kritisch, weil die Gummibaumplantagen den Tieren wenig bieten, während Palmöl zumindest in die Nahrungskette vieler Tiere passt. Allerdings lässt der Mensch selten ein friedliches Miteinander von Plantage und Tieren wie Elefanten und Orang-Utans zu. Dazu rauben die Plantagen den Tieren ihre Lebensräume. 10% der Landfläche von Sabah werden für den Anbau von Ölpalmen genutzt. Das klingt relativ wenig im Vergleich zu den 25%, die mit Regenwald bedeckt sind. Allerdings trennen die Plantagen die Rückzugsgebiete der Tiere und verhindern so das natürliche Wandern. So werden die Ölpalmen auf den Plantagen oft auch direkt bis an die Flüsse angebaut, obwohl dort auch ein Streifen für die Tierwanderung bleiben sollte.

Die Regierung möchte die Waldfläche auf 35% erhöhen und das vom WWF initiierte Projekt „Heart of Borneo“ (www.heartofborneo.org) plant, alle Schutzgebiete von Borneo in den Teilen von Malaysia (Sabah und Sarawak), Brunei und Indonesien (Kalimantan) miteinander zu vernetzen. Ein ehrgeiziges Projekt.

Ein weiteres Problem für die Umwelt, ebenfalls von den Plantagen kommend, ist die Nutzung chemischer Dünger. Durch die vielen Regenfälle und die regelmäßigen Hochwasser werden diese in die Flüsse gespült und haben da entsprechenden Einfluss auf die im Wasser lebenden Tiere und somit auch auf die, die sie fressen, inklusive des Menschen.

Dazu leiten viele Ölmühlen ihre Abwässer ungeklärt in das Flusssystem. Leider ist das schwer zu kontrollieren, weil die dafür illegal gegrabenen Kanäle im dichten Regenwald schwer zu finden sind.

Ebenfalls sehr kritisch ist die illegale Abholzung von Waldflächen zur Vermarktung der wertvollen Tropenhölzer, oder auch zur Erweiterung der Farm-Flächen. Ein weiterer Verlust von Lebensraum für die bedrohten Tierarten.

Einige Tiere sind quasi schon ausgestorben. So gibt es in Sabah nur noch 2 Nashörner, die geschützt leben und man versucht, diese zur Nachzucht zu bewegen. Bisher leider ohne Erfolg. Ein drittes Weibchen war trächtig, allerdings auch krank. Das Baby ist gestorben und die Mutter musste eingeschläfert werden. Hauptgrund für das Aussterben ist das Wildern, ein Schicksal, das als nächstes eventuell den Elefanten droht. Bisher war es nie ein Problem, aber in 2017 wurden zum ersten Mal 2 Elefanten wegen ihrer Stoßzähne gewildert.

Man kann nur hoffen, dass die wenigen Elefanten von Borneo beschützt werden können.

Nach einem überaus wichtigen Nickerchen nach dem Mittagessen geht es um 15:30 Uhr wieder aufs Boot, allerdings nur für ein paar Minuten, dann geht es mit dem Auto weiter zu den Gomantong Höhlen. Es hat den ganzen Mittag geregnet, wie auch schon die Nacht zuvor, so sind die Holzstege auf dem Weg zur Höhle sehr glatt, eine große Herausforderung für Alex, da der Stock garkeinen Halt bietet. Aber sie macht das großartig und gemeinsam meistern wir den Weg zur Höhle und auch den in der Höhle. Es gibt auf beiden einen Handlauf, aber draußen gibt es Tiere darauf, die einem ernsthaft weh tun können, drinnen ist er von Kakerlaken übersäht. Da fasst man ja auch nicht so gerne rein. Angeblich ist die Konzentration an Kakerlaken in der Höhle die größte weltweit. Vorstellbar ist es, so viele wie da rumkrabbeln.

Ansonsten gibt es 1,5 – 2 Millionen Fledermäuse in der Höhle, 5 – 7 verschieden Arten. Und eine besondere Vogelart, die Salangane. Wer nach oben schaut, sollte unbedingt den Mund zumachen, da man ansonsten gute Chancen hat, eine ungewollte Mahlzeit einzufangen. Der Boden ist übersäht mit dem Geschäft der Tiere.

Die Vögel haben ein tragisches Schicksal, ihnen wird nach dem Brüten immer wieder das Nest geklaut. Sie bauen es sehr aufwendig aus ihrem Speichel und die Menschen machen daraus eine Suppe, die Vogelnestsuppe. Sie soll besondere heilende Merkmale haben und ist sehr teuer. Die Vögel müssen ihr aufwendiges Werk dann von neuem starten.

Spannend ist bei Anbruch der Dämmerung das Ausströmen der Fledermäuse aus der Höhle, den man sich von außen anschaut. Es ist ein scheinbar nicht enden wollender Zug, der tatsächlich circa eine Stunde dauert. Sehr imposant.

Nach dem Abendessen haben wir noch eine spannende Unterhaltung mit einem Paar aus Wales, er ist aber eigentlich Ire und Europäer. So geht es um das Leben im Allgemeinen und den Brexit im Besonderen. Ein sehr schöner Abend.

30.09. – wir können ausschlafen, Frühstück um 8. Leider klopft es um 5:30 Uhr an der Tür, da gab es wohl eine Verwechslung, da wir ja gar keine Morningcruise machen.

Um 14:00 Uhr brechen wir zu unserem letzten Highlight in Sukau auf – der Elephant Search Safari. Eine Studentin von der Universität Murdoch in Australien, die dort zusammen mit der Lodge ein Forschungsprojekt über die Elefanten macht, hatte uns durch ihren Bericht schon ganz neugierig gemacht. Nun machen wir uns also auf die Suche nach den Elefanten. Diese führt uns rund 70km stromaufwärts bei rasanter Fährt. Hin und wieder stoppen wir, zum Beispiel um einen Nashornvogel oder ein prächtiges Exemplar von einem Krokodil zu betrachten. Als wir schon in dem Gebiet, in dem die Elefanten vermutet werden, angekommen sind, kommt uns ein Boot entgegen. Die Insassen berichten, dass sie gerade Elefanten gesehen haben. Unsere Hoffnung, diese äußerst seltenen Tiere zu sehen, steigt.

Wir fahren weiter stromaufwärts und werden nach einiger Zeit fündig. Kaum zu glauben! Schemenhaft sehen wir einen Elefanten hinter den Bäumen und dem Gebüsch am Ufer. Aber so schnell und kurz wie er auftauchte ist er auch wieder weg. Sie ziehen wohl flussabwärts. Wir fahren ein wenig mit dem Boot, dann geht einer der Guides an Land, um die Spuren zu prüfen. Wir schauen etwas fassungslos zu, als er barfuß im Dickicht verschwindet. Als er wiederkommt, sagt er, dass wir noch weiter flussabwärts müssen. Gleiches wiederholt sich ein paar Minuten später mit demselben Ergebnis. Wir fahren dann ein Stück weit in einen Seitenarm des Flusses. Die Guides rechnen damit, dass die Elefanten irgendwann an diesem Seitenarm auftauchen. Und tatsächlich, auf dem Rückweg zum Hauptstrom sind sie auf einmal da und durchqueren den kleinen Fluss. Sie scheinen zu schwimmen und strecken dabei immer wieder die Rüssel in die Luft. Am anderen Ufer verschwinden sie dann wieder im Wald. Aber nicht, ohne ordentlich zu Brüllen und ein grollendes Knurren loszulassen: „kommt uns bloß nicht zu nah“ wird das wohl bedeuten. Was für ein wunderschönes Schauspiel. Kurze Zeit später sehen wir sie vom Hauptstrom aus nochmal über eine grüne Ebene davonziehen.   

Wir haben sie tatsächlich gesehen – die Borneo Zwergelefanten, oder Borneo Pygmy Elephants, wie sie hier genannt werden. Es gibt nur noch geschätzte 1000 dieser stark vom aussterbenden bedrohten Unterart des Asiatischen Elefanten. Was für ein großes Geschenk, dass wir in diesem Urlaub so viele vom Aussterben bedrohte Tiere sehen dürfen. Glücklich machen wir uns auf den Rückweg. Es wird bald dunkel und der provisorische Scheinwerfer auf dem Boot gibt nicht allzu viel her, aber der Kapitän des Bootes scheint trotzdem sehr gut zu sehen und umschifft das reichlich vorhandene Treibholz sehr gekonnt.

Nach dem Abendessen unterhalten wir uns noch mit einer Familie aus Dänemark über die Erlebnisse. Ein weiterer Aspekt, der solche Reisen immer wieder bereichert ist das Zusammentreffen mit Menschen von der ganzen Welt. Auf Borneo sind es hauptsächlich Australier.

So geht ein weiterer traumhafter Tag, unser letzter im Regenwald, zu ende. 

01.10. – heute stehen wir freiwillig früher auf als wir müssten. Wir wollen ganz früh auf den Weg durch den Regenwald hinter dem Hotel. Wenn man Glück hat, kann man dort als früher Vogel einiges sehen. Wir haben allerdings außer Makaken, die auf dem Blechdach des Weges ein höllisches Spektakel veranstaltet haben, und ein paar herumfliegenden Fledermäusen nichts gesehen. Vielleicht waren wir zu spät, es war schon fast 6 Uhr, als wir draußen waren.

Wir gönnen uns einen Kaffee auf der Terrasse am Fluss, bevor wir unsere Koffer packen. Um 8 Uhr gibt es Frühstück, eine Stunde später startet unser Transfer, wir verlassen das grüne Paradies.

Noch ein paar Zeilen zur Sukau Rainforest Lodge: Martin hat sich mit dem Inhouse Naturalist unterhalten über die Nachhaltigkeit der Lodge, für die sie ja auch ausgezeichnet wurde. Nachhaltigkeit wird hier auf mehreren Ebenen gelebt, ähnlich wie es die Agenda 2030 der UN vorsieht. Diese hängt auch seit ein paar Monaten ganz groß an einer Infotafel im Hotel. Neben der ökologischen Nachhaltigkeit wird auch der sozialen sehr viel Beachtung geschenkt. So sind 70-80% der Angestellten aus der näheren Umgebung, der Naturalist selbst stammt aus dem nächsten Dorf und ist vom Stamm der Orang Sungai – Fluss-Menschen. Ja, Orang heißt Mensch, Utan bedeutet Wald. Die Schonung der Ressourcen ist der Lodge sehr wichtig, so wird warmes Wasser mit Solarkollektoren aufbereitet. Für die Erzeugung von Strom reicht die Sonnenstrahlung im oft bewölkten Gebiet des Regenwaldes leider nicht. Regenwasser wird aufgefangen, gefiltert und zum Beispiel in der Küche verwendet. Das Wasser in den Zimmern ist geklärtes Flusswasser. Müll wird getrennt und es finden Müllsammelaktionen entlang des Flusses statt. Das erhöht natürlich auch die Aufmerksamkeit der Menschen in der Umgebung für dieses wichtige Thema. Müll ist aber generell die größte Herausforderung, da die getrennte Entsorgung auf Borneo noch nicht allzu weit fortgeschritten ist.

Und die Sammelaktionen sind nötig, aber eher von symbolischem Wert oder eben als vorbildliche Aktion, denn Plastik im Fluss ist definitiv ein großes Problem, gefühlt alle 100m schwimmt eine Plastikflasche. Da müsste man täglich sammeln, damit es einen unmittelbaren Effekt hat und nicht alles im Meer landet. Zumindest sehen wir mit eigenen Augen, wo ein Teil des Plastiks in den Meeren herkommt.

In der Lodge gibt es Wasserstationen, wo man seine Wasserflaschen füllen kann. Das leistet ebenfalls einen guten Beitrag zur Reduzierung des Plastikmülls. Die Klimaanlagen und ihr großer Strombedarf sind eine weitere Herausforderung. Es gibt sie erst seit kurzem und sie wurden nur installiert, weil zu viele Gäste danach gefragt haben. Ein Tribut an die wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Beim Essen kann man sehen, dass die Lodge bemüht ist, möglichst wenig Überschuss zu produzieren. So ist beim Büffet nicht unbedingt alles unbegrenzt verfügbar. Sehr angenehm. Auch schön ist, dass die Angestellten und Guides sich ebenfalls bedienen und im Restaurant-Bereich essen. Die Stimmung und der Umgang der Angestellten untereinander ist ausgesprochen gut. Da fühlt man sich als Gast sehr wohl. 

Die Borneo Eco Tours, das Schwesterunternehmen zur Sukau Rainforest Lodge, macht auf unserer Reise die ganzen Transfers (Flughafen –> Hotel, Ausflüge) und auch die Bootsfahrt von Sandakan zur Lodge in Sukau. Dafür wird pro Gast ein Betrag von 8 Ringgit (ca. 1,6€) an eine vom Eigentümer gegründete Organisation (BEST, www.bestsociety.org) gespendet, in diesem Fall für ein Programm zum Ausgleich des Kohlendioxids. Die Lodge spendet pro Gast 4 Ringgit an BEST für Umweltprogramme in der näheren Umgebung, inklusive Lehrgängen für Bio-Landwirtschaft, Aufklärung über Umweltproblematiken, Trainings für Kinder und einiges mehr.

Unser Flug nach Kota Kinabalu (KK) geht um 18:10 Uhr. Wir verbringen die Zeit bis dahin, vom Transfer abgesehen, in Sandakan beim Mittagessen, im Sepilok Rainforest Discovery Park, dem War Memorial und auf der Toilette. Leider hat uns ein Durchfall erwischt. In dem Park gibt es einen Baumwipfel-Pfad, so kann man den Regenwald mal hoch oben erleben. Dazu einen kleinen botanischen Garten, wo wir einige Sorten der Pitscher Plant, also der Kannenpflanze sehen. Sehr interessante Gewächse.

Das War Memorial erinnert daran, wie grausam die Japaner im Zweiten Weltkrieg agiert haben. Die Deutschen waren nicht die Einzigen, weder ist es ein Trost noch ist ein Vergleich sinnvoll, es ist eher schockierend. Eine australische Familie aus Alice Springs, die den Tag mit uns verbringt, erzählt uns noch etwas über die Bombardements der Japaner im Norden Australiens. Dieser Teil des Krieges war uns bis dahin nicht sonderlich bewusst.

Die Zeit und unsere Erlebnisse in KK, auf Manukan Island und Singapur gibt es demnächst in einem weiteren Beitrag.

Herzliche Grüße,

Martin

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2 Comments

  1. Sabine Roß

    Ein toller Reisebericht! Bequem im Sessel sitzend ging ich mit Alex und Martin auf die große Reise in eine mir so ferne Welt, begegnete exotischen Tieren und bekam auch interessante Einblicke in Mut machende Projekte zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

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